Ein alter Freund von mir – 99 Jahre alt, verwitwet, lebte allein in Frankfurt – war ein beeindruckender Mensch: geistig hellwach, höflich, ein Kavalier der alten Schule. Trotz seines hohen Alters war er körperlich noch erstaunlich fit und stellte keinerlei besondere Ansprüche an seine Umgebung.
Im Jahr 2022 erlitt er jedoch einen leichten Bruch der Wirbelsäule, musste operiert werden und bekam Metallverstärkungen zur Stabilisierung eingesetzt. In der Folge war er für mehrere Monate bettlägerig und auf intensive Betreuung sowie Physiotherapie angewiesen.
Wir suchten dringend nach einer geeigneten 24-Stunden-Betreuung über spezialisierte Betreuungsagenturen. Trotz zahlreicher Anfragen erhielten wir kein akzeptables Angebot – weder qualitativ noch finanziell vertretbar.
Letztlich konnten wir das Problem auf anderem Wege lösen, aber es bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Wer kümmert sich um die älteren Menschen, die ganz auf sich allein gestellt sind? Was passiert mit denen, die keine Familie oder Freunde mobilisieren können?
Die 24-Stunden-Angebote der Agenturen hatten ein Preis/Mo von rund EUR 25.000,00! Ein solches Angebot haben wir erhalten.

24-Stundenbetreuerinnen bei Agenturen verdienen aber sehr wenig.
Laut WELT verdienen die Betreuerinnen überwiegend zwischen 1.500 und 1.700 € monatlich netto, wenn auch nur die tatsächlich geleistete Arbeit bezahlt wird. Hartnäckig hält sich dabei die Praxis, Bereitschaftszeiten nicht zu entlohnen – obwohl das Bundesarbeitsgericht klargestellt hat, dass diese ebenso als Arbeitszeit zählen
Quelle Die Welt, „Physisch und psychisch am Ende“ – Deutschlands 24-Stunden-Pfleger >>>
Hören Sie eine neutrale Geschichte darüber in diesem Podcast der Wiener Zeitung.

