Demokratie ist keine Dienstleistung, die der Staat seinen Bürgern liefert. Sie lebt von Menschen, die handeln, sich informieren, widersprechen, Verantwortung übernehmen und die ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen. Ein Bürger, der eine politische Entscheidung kritisiert, handelt nicht gegen die Demokratie. Ein Mensch, der eine Petition einreicht, eine Behörde hinterfragt oder auf der Einhaltung eines Rechts besteht, stört nicht zwangsläufig das Funktionieren des Gemeinwesens. Solche Handlungen können vielmehr Ausdruck davon sein, dass jemand seine Rolle als Bürger ernst nimmt.

Dasselbe gilt im Verhältnis zwischen Verbrauchern und Unternehmen oder anderen Leistungserbringern. Wer einen Vertrag liest, seine Rechte und Pflichten verstehen möchte, Rückfragen stellt oder darauf besteht, dass eine vereinbarte Leistung vertragsgemäß erbracht wird, handelt nicht gegen das Unternehmen, die Arztpraxis, das Krankenhaus, die Versicherung, die Bank oder einen anderen Vertragspartner. Er nimmt vielmehr die Rolle wahr, die ihm eine freie und rechtsstaatliche Ordnung zugesteht: die eines informierten, eigenverantwortlich handelnden Menschen, der seinem Vertragspartner auf Augenhöhe begegnet.
Ein Verbraucher, der eine Vertragsklausel hinterfragt, eine Rechnung überprüft, eine zugesagte Leistung einfordert oder einer Entscheidung widerspricht, die er für unzutreffend hält, ist deshalb nicht automatisch schwierig, misstrauisch oder konfliktorientiert. Ebenso wenig sollte die Nutzung moderner Hilfsmittel, einschließlich künstlicher Intelligenz (KI), um Verträge besser zu verstehen, rechtliche Zusammenhänge nachzuvollziehen oder die eigene Position sachlich zu prüfen, als Angriff auf den Vertragspartner verstanden werden. Information verändert lediglich die Voraussetzungen, unter denen beide Seiten miteinander kommunizieren.
Auch für Unternehmen und andere Leistungserbringer kann ein gut informierter Vertragspartner von Vorteil sein. Je klarer Rechte, Pflichten und Erwartungen verstanden werden, desto eher können Missverständnisse vermieden und Konflikte sachlich gelöst werden. Augenhöhe bedeutet dabei nicht, dass Verbraucher automatisch Recht haben oder fachliche Entscheidungen selbst treffen. Sie bedeutet, dass beide Seiten ihre jeweiligen Rechte und Pflichten kennen, Argumente austauschen können und die vereinbarten Regeln für beide gelten.
Eine demokratische und rechtsstaatliche Gesellschaft sollte deshalb nicht den passiven Bürger oder den uninformierten Verbraucher zum Ideal machen. Sie braucht Menschen, die Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen, Informationen nutzen, Fragen stellen und ihre Rechte wahrnehmen, ohne dabei die Rechte anderer zu missachten. Gerade darin zeigt sich die Verbindung zwischen demokratischer Mündigkeit und einem modernen Verständnis von Verbraucherschutz.
Das Projekt DE21Jh engagiert sich seit Ende 2024 dafür, diese Haltung im Verbraucheralltag zu stärken und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen informierte Menschen ihre Rechte gegenüber Unternehmen und anderen Leistungserbringern selbstbewusst, sachlich und auf Augenhöhe wahrnehmen und die vereinbarte Leistung vertragskonform einfordern können.
